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Gemeindevorstand: Wie CDU und BfB die Opposition verkleinern

von Dr. Ilja von Hoeßle

Was wurde beschlossen?

Die Gemeindevertretung hat am 15.04.2026 einen gemeinsamen Antrag von CDU und BfB angenommen: § 5 Abs. 2 der Hauptsatzung wird geändert, die Zahl der ehrenamtlichen Beigeordneten im Gemeindevorstand sinkt von sieben auf sechs.

Der Gemeindevorstand ist das Exekutivorgan der Gemeinde. Er besteht aus dem hauptamtlichen Bürgermeister und den ehrenamtlichen Beigeordneten. Der Vorstand trifft Entscheidungen zur laufenden Verwaltung.

Abstimmung

Ergebnis Stimmen
Ja 15
Nein 9
Enthaltung 0

Ja: CDU (8) und BfB (7, da ein Mitglied abwesend war)
Nein: Grüne (4), SPD (2), FLS (2), FDP (1)

Welche Folgen hat das?

Die Sitze im Gemeindevorstand werden nach dem Stärkeverhältnis der Fraktionen vergeben (§ 42 HGO). Bei sieben Beigeordneten bekäme jede der fünf Fraktionen einen festen Sitz. Bei sechs nicht:

Fraktion Anspruch Sitze
CDU 1,92 2
BfB 1,92 2
Grüne 0,96 1
SPD 0,48 Losentscheid
FLS 0,48 Losentscheid

SPD und FLS müssen um den sechsten Sitz losen. Eine der beiden Fraktionen wird im Gemeindevorstand nicht vertreten sein.

Was sagt die FLS dazu?

Verlust für die Ortsbeiräte. Marina Meffert (FLS) hat in der Sitzung auf den wichtigsten Aspekt hingewiesen, der bei der Rechnerei um die „richtige“ Zahl untergeht: Bisher kam zu jeder Ortsbeiratssitzung regelmäßig ein:e Beigeordnete:r des Gemeindevorstands. Welche:r Beigeordnete welchen Ortsteil betreut, regelte der Vorstand intern. Schlangenbad hat sieben Ortsteile (Kernort, Bärstadt, Georgenborn, Hausen vor der Höhe, Niedergladbach, Obergladbach, Wambach). Bei sieben Beigeordneten ging die Rechnung auf, denn jeder Ort hatte einen festen Ansprechpartner im Vorstand.

Mit sechs Beigeordneten bleiben vier Möglichkeiten:

  1. Der Bürgermeister übernimmt zusätzlich einen Ortsteil.
  2. Ein:e Beigeordnete:r betreut zwei Ortsteile.
  3. Ein Ortsteil bleibt ohne festen Ansprechpartner.
  4. Die Betreuung wird insgesamt unregelmäßiger, ohne feste Zuordnung.

Keine dieser Optionen ist gleichwertig zum bisherigen Modell. Das Argument der „schlanken Verwaltung“ trägt die politischen Kosten damit ausgerechnet auf der Ebene aus, die am nächsten an den Bürgerinnen und Bürgern ist. Wer das Prinzip „eine Vertretung pro 1000 Einwohner“ ernst nimmt, müsste konsequent auch über eine Zusammenlegung von Ortsbeiräten sprechen. Das wäre die logische Fortsetzung derselben Vereinfachungsarithmetik.

Positionswechsel CDU/BfB. Bemerkenswert ist zudem die eigene Positionsänderung der Antragsteller. Sie schreiben selbst, dass sie 2021 die entgegengesetzte Position vertreten haben. Wörtlich aus der Antragsbegründung:

„So fand ein von der Gemeindeverwaltung in der letzten konstituierenden Sitzung eingebrachter Antrag auf Reduzierung der Anzahl auf sechs Beigeordnete u.a. aufgrund der ablehnenden Haltung der Fraktionen der CDU und BfB, keine Mehrheit. Hintergrund der damals ablehnenden Haltung war der Wunsch, dass als in der Gemeindevertretung vertretenen Fraktionen mindestens einen Beigeordneten stellen sollten. Aufgrund des Wahlergebnisses vom 15. März 2026 entfällt nun diese Argumentation, da bei einer schlanken Aufstellung des Gemeindevorstandes auch eine Partei keine Beigeordneten stellen kann.“

Die Antragsteller bestätigen damit selbst den Kurswechsel: 2021 war das Leitargument, jede gewählte Fraktion solle im Vorstand vertreten sein; 2026 wird dieses Prinzip aufgegeben, weil „aufgrund des Wahlergebnisses“ eine neue Koalitionsmehrheit besteht. Im Ergebnis soll nun nur noch eine der beiden Fraktionen FLS oder SPD im Vorstand vertreten sein.

Als weitere Begründung für die Reduzierung führen CDU und BfB noch an, eine ungerade Zahl (Bürgermeister + 6 Beigeordnete = 7) verhindere Patt-Abstimmungen. Juristisch ist das gegenstandslos: Bei Stimmengleichheit im Gemeindevorstand gibt die Stimme des Bürgermeisters als Vorsitzendem den Ausschlag (Stichentscheid nach HGO). Eine Patt-Situation kann es im Vorstand nicht geben, unabhängig davon, ob die Mitgliederzahl gerade oder ungerade ist.

Zusammen mit der in derselben Sitzung abgelehnten Ausschussvergrößerung ergibt sich, dass der Einfluss der kleineren Fraktionen in den Gremien eingeschränkt wird. SPD und FLS, die beiden kleinsten Fraktionen, verlieren jeweils Sitze mit Stimmrecht im Gemeindevorstand und in den drei Ausschüssen.

Weiteres

Hintergrund

  • Sitzung: 1. Sitzung der Gemeindevertretung 2026–2031, 15.04.2026
  • Tagesordnungspunkt: TOP 10 — Änderung der Hauptsatzung
  • Antragsteller: CDU-Fraktion und BfB-Fraktion (Dr. Daniel Vorgrimler, Dr. Uwe Seidel)
  • Rechtsgrundlage: § 6 Abs. 2 HGO i.V.m. §§ 42, 44 HGO
  • Geänderte Vorschrift: § 5 Abs. 2 der Hauptsatzung
  • Quelle: Ratsinformationssystem Schlangenbad

15 – 9, 9 – 15, 15 – 9

von Dr. Ilja von Hoeßle

Marina Meffert und Dr. Ilja von Hoeßle vor der ersten Sitzung der neuen Gemeindevertretung

Es war ein historischer Moment für die FLS: die erste Gemeindevertretersitzung in Hausen! Es gab Begrüßungen und nette Worte, und dann ging es auch schon zur Sache.

Drei wichtige Entscheidungen standen zur Abstimmung. Zwei davon betrafen unmittelbar die Teilnahme der Opposition an der politischen Arbeit, nämlich im Gemeindevorstand und in den Ausschüssen. In allen drei Abstimmungen zeichnete sich dasselbe Muster ab: die Koalition aus CDU und BfB stimmte mit 15 Stimmen (eigentlich 16, aber ein BfB-Vertreter war abwesend). Die restlichen Stimmen – Grüne, SPD, FLS und FDP – gingen auf Nein oder Enthaltung (9 Stimmen). Diesen Abgeordneten gemeinsam ist das Interesse, ihre Mitwirkung in den Gremien zu erhalten.

Überblick

# Thema Antragsteller Ergebnis Abstimmung
1 Verkleinerung des Gemeindevorstandes (7 → 6 Beigeordnete) CDU / BfB angenommen 15 : 9 : 0
2 Erhöhung der Ausschussgröße (6 → 7 Sitze in HFA, JSK, BUK) FLS abgelehnt 9 : 15 : 0
3 Übertrag investiver Haushaltsreste 2025 (2,88 Mio. €) Verwaltung (VL-1161) angenommen 15 : 0 : 9 Enth.

Abstimmung 1:
Gemeindevorstand wird verkleinert, Opposition verliert Mitglied

Die Zahl der Mitglieder des Gemeindevorstands wird von sieben auf sechs gesenkt. Die Sitzverteilung nach Stärkeverhältnis ergibt damit einen Losentscheid zwischen SPD und FLS um den letzten Sitz. Eine der beiden Fraktionen bleibt unvertreten. Warum die Entscheidung kontrovers ist, erfahrt ihr in der Detailanalyse.

Detailanalyse: Verkleinerung des Gemeindevorstandes

Abstimmung 2:
Ausschüsse bleiben bei sechs Sitzen, Opposition verliert Mitglied

Die FLS hatte beantragt, die drei Ausschüsse (HFA, JSK, BUK) auf jeweils sieben Sitze zu erhöhen, damit alle fünf Fraktionen vertreten sind. Der Antrag wurde abgelehnt. Genaueres erfahrt ihr in der Detailanalyse im Transparenz-Portal. Die anschließenden Losverfahren zwischen SPD und FLS um einen Platz ergaben:

  • Haupt- und Finanzausschuss (HFA): → FLS
  • Ausschuss Jugend/Sport/Soziales/Kur/Kultur (JSK): → SPD
  • Ausschuss Bauen/Umwelt/Kommunalentwicklung (BUK): → SPD

Die FLS hat damit in einem Ausschuss Stimmrecht, die SPD in zweien.

Detailanalyse: Ablehnung der Ausschussvergrößerung

Abstimmung 3:
2,88 Mio. Euro Haushaltsreste übertragen

Investive Mittel aus dem Haushalt 2025 in Höhe von 2.877.225 Euro wurden auf das Haushaltsjahr 2026 übertragen (§ 21 GemHVO). Hintergrund: Der Haushalt 2025 wurde erst im November 2025 genehmigt. Die Gemeinde war bis dahin in vorläufiger Haushaltsführung und konnte keine Investitionen tätigen. Ohne diesen Übertrag wären die Mittel verfallen.

Die FLS hat sich enthalten, da der Übertrag notwendig ist, damit laufende Tätigkeiten voranschreiten. Das wollen wir nicht blockieren. Allerdings hatten wir weder Einsicht noch Entscheidungsgewalt zu den Mitteln, können also auch nicht uneingeschränkt mit „Ja“ stimmen. Die Haushaltslage insgesamt werden wir in der Haushaltsberatung 2026 kritisch begleiten und hier berichten.

Fazit

Wir bedauern die Entscheidungen zu Abstimmung 1 und 2. Trotz unserer Argumente, nämlich den Folgen für die Ortsbeiräte (Marina) und dem Grundsatz der Spiegelbildlichkeit (Ilja), sowie einer aus unserer Sicht unzureichenden Begründung der CDU und BfB wurde der Einfluss der kleineren Fraktionen in beiden Gremien verkleinert.

Dokumente und weiterführende Links

Hintergrund

  • Sitzung: 1. Sitzung der Gemeindevertretung der Wahlperiode 2026–2031
  • Datum: 15.04.2026, 20:00 Uhr
  • Ort: Dorfgemeinschaftshaus Hausen vor der Höhe
  • FLS-Vertreter:innen: Marina Meffert, Dr. Ilja von Hoeßle